Schlagworte Geschichte

Date: 19. November 2008
Cate: Zur Zeit lese oder höre ich

Mein Dusel mit Dussel

Jahrelang suchte ich es und nun bekam ich es von einer guten Bekannten mitgebracht. Danke, ich habe mich sehr gefreut. Die Rede ist vom leider vergriffenen Buch des argentinischen Philosophen, Historikers und Theologen Enrique Dussel: Von der Erfindung Amerikas zur Entdeckung des Anderen. Ein Projekt der Transmoderne. Es enthält Dussels Frankfurter Vorlesungen von 1992 und erschien ein Jahr später im Patmos Verlag.

Dussel stellt hier seine Gedanken sehr ausführlich da, allerdings sollten Leser um die Geschichte Lateinamerikas, der Europas um 1500 und später wissen und auch mit Hegel und seinen Kumpels etwas anfangen. Ansonsten könnte zu schnell die geistige Flinte ins Korn geworfen werden und das wäre schade.
Ich zitiere mal den Text auf der Rückseite:

Enrique Dussel, der für seine eigenwillige, höchst anregende Weise, Theologie zu machen, bekannt ist, treibt hier Geschichtsanalyse in systematischer Absicht. Seine These: Die Europäer haben Amerika gar nicht wirklich ent-deckt, sie haben es vielmehr erfunden. Seine Andersheit, Fremdheit und Eigenheit haben sie ver-deckt, weil sie nur ihr Eigeninteresse im Auge hatten und das Andere und die Anderen nur als Spiegel ihrer selbst betrachteten. So hat die Moderne – als deren Beginn gewöhnlich die „Entdeckung“ des Kolumbus gilt – gleich zu Anfang ihre Unschuld verloren. Zukunftsweisend kann darum heute nur das Projekt einer Transmoderne – nicht Postmoderne – sein, in dem Menschen, Völker und Erdteile im Fremden das wirklich Andere in seiner Autonomie, seinen Wert und seiner Würde entdecken.

Ich habe es zunächst überflogen, aber auch nach 15 Jahren ist dieses Buch ein Meilenstein in der Auseinandersetzung mit der Welt seit 1500 und vor allem heute empfinde ich es als aktuell. Denn wieder einmal mehr stellen sich Täter als Opfer dar, verbiegen die Sprache und geben ihren Opfern die Schuld.
Interessanter Aspekt: Die Diskussion über die Menschenrechte ist so alt wie die Erfindung Amerikas. Es ist schon erschreckend, dass Europa, die westliche Welt, seit über 500 Jahren nachweislich auf der Stelle tritt und anscheinend bisher es nur zuwege brachte, die Methoden der (Selbst)lüge gegenüber sich und Anderen zu verfeinern.

Date: 13. März 2008
Cate: Text

Der Bücherklau-Fluch

Die Süddeutsche zitiert in dem Artikel Trendscout Taschenbuch den über dem Ausgang der Bibliothek des Klosters San Pedro in Barcelona seit dem 16. Jahrhundert stehenden Fluch:

Wer Bücher stiehlt, in dessen Hand soll sich das Buch in eine reißende Schlange verwandeln. Laut schreiend soll er um Gnade winseln, und seine Qualen sollen nicht gelindert werden, bis er in Verwesung übergeht. Mögen Bücherwürmer seine Eingeweide essen, und wenn er endlich zu seiner letzten Strafe geht, mögen die Flammen der Hölle ihn auf ewig verschlingen.