Schlagworte Datenspeicherung

Date: 09. Januar 2008
Cate: Code

Deutsche Unternehmen missbrauchen Kundendaten für Testzwecke

Das ist der Anfang einer heise news:

Laut einer Untersuchung des Ponemon-Instituts gefährden mehr als drei Viertel der deutschen Unternehmen vertrauliche Kundendaten, indem sie diese in Anwendungsstests oder bei der Softwareentwicklung benutzen. Sie sehen in den Daten eine kostengünstige Grundlage für Softwaretests. Im internationalen Vergleich bildet Deutschland damit das unrühmliche Schlusslicht. In anderen Länder kommen echte Daten erheblich seltener zum Einsatz: USA (69 Prozent), Großbritannien (58 Prozent) und Frankreich (43 Prozent).
heise news, Deutsche Unternehmen missbrauchen Kundendaten für Testzwecke, 08.01.2008 – [Hervorhebung von mir]

Bösartig könnte mensch die These aufstellen: Deutsche Unternehmen sind zu geizig für die notwendige Fantasie zur Erfindung von fiktiven Daten. Ich bin mal neugierig, wenn aus Kostengründen mal Daten in Deutschland verloren gehen und zwar in dem Ausmaß, wie es in Großbritannien geschah/geschieht. Das könnte bei der Vorratsdatenspeicherung nämlich durchaus passieren.

Date: 29. Dezember 2007
Cate: Code

1984.exe und Hände weg von Skype!

Bei Skype befiel mich schon immer auch als indirekte Nutzerin ein Unbehagen und das scheint Substanz zu haben:

Bei Gesprächen nebenbei hat Andy Müller-Maguhn bei dieser Anhörung erfahren, dass Skype alle Verschlüsselungs-Schlüssel zentral in Luxemburg speichert. Die deutschen Behörden werden Skype nicht überwachen, da dies bereits durch die NSA erledigt wird. Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass Skype eine der einzigen Programme ist, bei dem die schweizerische AIOS Alarm schlägt, wenn es auf einem Laptop des Bundes installiert wird. Mit anderen Worten: Hände weg von Skype! Das Jahresfazit des CCC war jedoch eher ernüchternd, da 2007 für die Deutschen Bürger einige wichtige digitale Rechte verloren gegangen sind.

[via MacMacken und offiziere.ch]

Vermutlich fällt das 2008-Jahresfazit des CCC ebenso deprimierend aus. Denn die Demokratie samt Grundrechte und Bürgerrechte wurden 2007 ganz schön angezählt – dank Schäuble und Co. So heißt ein Buch über die Überwachungsmethoden sinnigerweise auch 1984.exe.

Beim Chaosradio Podcast Network gibt es ein Gespräch mit Sandro Gaycken im Chaosradio Express, in dem er die Wesenzüge der wissenschaftlichen Forschung im Bereich Wissenschaftstheorie und Technikphilosophie, den Einfluss dieser Disziplinen auf die Gesellschaft und Wissenschaft selbst beschreibt.

Ferner erläutert er die Hintergründe und Motivation zur Erstellung des Buches und bietet einen Überblick über die einzelnen Beiträge und ihre Autoren.

Sandro Gaycken analysiert Problematik von Überwachung. Er stellt fest: „Überwachung produziert Kontrolle, Kontrolle ist das Gegenteil von Freiheit und Vertrauen, Vertrauen ist die Grundlage von Rechtstaat und Demokratie“ und beklagt den Verlust der Privatsphäre, der die aktive Ausübung von Freiheit behindert sowie das hohe Mißbrauchspotential von Überwachungstechnik. Im Verlauf zitiert er auch zahlreiche wissenschaftliche Studien, die sich mit Überwachung aus verschiedenen Perspektiven beschäftigt haben und die Unmöglichkeit, die Regierungsstellen dazu zu bewegen, sich aus ihrer Perspektive zu äußern und sich an dem Buch zu beteiligen.

Ein wirklich interessanter Podcast!

Buchtipp:
Sandro Gaycken, Constanze Kurz (Hg.)
1984.exe
Gesellschaftliche, politische und juristische Aspekte moderner Überwachungstechnologien
Paperback – 310 S. – Transcript-Verlag – 01/2008
ISBN: 978-3-89942-766-0 – 29,80 €

1984.exe können Sie direkt beim Transcript-Verlag bestellen.