Das WZB erforscht die Wertschöpfung im Sinne der Gegenaufklärung 2.0

Wohin des Weges?

Wohin des Weges?

Das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) kümmert sich auch um das Kreative in der Gesellschaft. aber wenn man sich die Kooperationen betrachtet, dann ahnt man, dass das Kreative sich der hehren Wirtschaft beugen soll, gar muss.
So gibt es im WZB eine Abteilung Kulturelle Quellen von Neuheit, die ihren Fokus hat im

Potenzial kultureller Bedingungen für die wirtschaftliche Wertschöpfung und für gesellschaftlichen Wohlstand. Dabei wird Kultur auf unterschiedliche Weise konkretisiert: als urbane Kultur, Gemeinschaftskultur und Kunstkultur.

Ein Bereich der Forschung nennt sich Künstlerische Interventionen und Inventionen und deren Projekte untersuchen einerseits wie sich künstlerische Interventionen auf Organisationen auswirken und andererseits die Wechselwirkungen zwischen künstlerischen Inventionen und wirtschaftlicher Wertschöpfung.

Das Projekt „Co-Evolution von Wirtschaft und Kunst“ entwickelt Antworten auf diese Fragen, indem es spezielle Fälle der Interdependenz am Beispiel von sechs unterschiedlichen Studien zu visueller Kunst und Wirtschaft vom 15. Jahrhundert bis heute untersucht. Die Fallstudien demonstrieren, wie künstlerische Ereignisse und Artefakte sich auf wirtschaftliche Aktivitäten auswirken und wie sich ökonomische Sachverhalte umgekehrt in Kunstformen niederschlagen.

Ich frage mich, warum erst ausgehend vom 15.Jahrhundert die Wechselwirkung zwischen Kunst und Wirtschaft untersucht wird? War es zu mühselig, tiefer in der Geschichte zu graben? Oder scheint man eine bestimmte Kunstauffassung als den Stein der Weisen verkaufen zu wollen?

Das 15.Jahrhundert in der Kunst bedeutet nämlich nichts anderes als das Aufkommen des Künstlers an und für sich, der Geniebegriff tauchte auf und der Künstler verwandelte sich vom Kunsthandwerker zum bewunderten Künstler. Albrecht Dürer und Leonardo DaVinci sind Beispiele. Und es gab um Plagiate die ersten Urheber- und Verwerterrechtsdebatten und -prozesse, die nannte man damals natürlich nicht so. Wer mehr erfahren will, sollte in Wikipedia die Geschichte des Urheberrechts lesen. Übrigens verbreiteten sich die Ideen der Aufklärung zu einem großen Teil durch Raubdrucke. Eine schöne Parallele zu heute, wenn man sich weltweit die Debatten um Commons, Open Source, Patente, Lizenzen, Urheberrecht, Verwerterrechte, Netzneutralität, Basisdemokratie, Zensur und um den freien Zugang aller Menschen zu Wissen und Bildung betrachtet.

Wenn ich es sehr überspitzt auf einen Punkt bringen will, dann erscheint mir das als ein Projekt der Gegenaufklärung:
Es geht hier nicht um Kunst, sondern um Verwertung und Ausbeutung der künstlerischen Kreativität seitens der Wirtschaft.
Und ganz im Sinne Kants habe nicht nur ich hoffentlich den Mut, mich meines eigenen Verstandes zu bedienen. Sapere aude!

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