Die Seuche Angst oder wie mensch zum „Schisser“ wird

Nun haben wir die Vorratsdatenspeicherung, aber sie ist kein Mittel gegen die Angst, sondern ein Mittel der Angst. Ich bin eben über Umwegen auf Karl Paweks Artikel Die Seuche Angst gestoßen und zitiere mal ausführlicher daraus. Lesen Sie aber den ganzen Artikel, er lohnt sich.

Denn an der Befreiung von Angst ist nichts zu verdienen, weil kein potentieller Auftraggeber daran Interesse hat, im Gegenteil. Angst ist die ideale und billigste Voraussetzung, Herrschaft auszuüben. Ohne Angst vor der Hölle oder anderen Misslichkeiten gäbe es keine Religionen, ohne Angst vor Klimakatastrophen, Aids, Rinderwahn, Baumsterben, Supergau etc. ließen sich Menschen nicht auf berechenbare Wähler reduzieren. Angst vor dem Unbekannten, vor Arbeitsplatzverlust, vor Krankheiten (wie sie z. B. dem Passivrauchen angedichtet werden) hält die Menschen in Trab, lenkt sie ab von den wirklichen Problemen, Skandalen, macht sie gefügig. Angst gilt daher immer noch als probates Erziehungsmittel. Gruselgeschichten, Zeugnisnoten und Götter, die alles sehen, erfreuen sich ungeschmälerter Beliebtheit. Die Vorstellung von angstfreien Menschen lässt noch die kleinsten Herrscher in Familien, Schulen, Unternehmen erschauern, denn ohne die Angst ihrer Untertanen stünden sie nackt da und ihr Gehabe erschiene allen lächerlich. […] Angst zwingt Menschen, gegen ihre Bedürfnisse zu leben, um die Interessen der Herrschenden zu gewährleisten. Angst macht aus Arbeit, die durchaus sozial gewinnbringend der Selbstverwirklichung dienen könnte, eine für „Arbeitgeber“ genannte Ausbeuter profitable Verrichtung. Angst deformiert Lernen zur Anpassung, macht aus Liebe Bindung, lähmt die Neugierde und bringt die Menschen dazu, hinterherzuhasten statt voranzuschreiten. […] So richtig Duhms Nachweis ist, dass der Kapitalismus in Familie, Schule, Beruf Angst erzeugt, um sie profitabel nutzen zu können, wird die Überwindung des Kapitalismus nicht ausreichen, die Angst zu besiegen. Anders, als dies in den sozialistischen Staaten der Fall war, bedarf es dazu auch einer von der neuen Ideologie unabhängigen Aufklärung.

Wer dadurch inspiriert mehr wissen will, sollte bei Monomas als ob leben? andocken. Das Blog beschäftigt sich ausführlich mit den Deformationen des Menschen dank der systemischen Gegebenheiten und es ist eines meiner Lieblingsblogs der neuen Aufklärung. Denn es fordert nicht nur zum Nachdenken heraus. Es fordert unser Menschsein zu entdecken und auszuleben.
Terror ist ohne Angst beider Seiten nicht denkbar. Über diese These sollte mensch mal nachdenken. In diesem Sinne lassen Sie sich 2008 nicht terrorisieren. 😉

1 Meinung

  1. mo mo  
    01. Januar 2008
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  2. danke für die verlinkung, und direkt zum thema passend möchte ich auf http://autismuskritik.twoday.net/stories/3653089/ verweisen – ängste sind wirklich etwas ganz zentrales im und für das heutige machtsystem.

    trotzdem: ein gutes neues jahr natürlich 😉

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