Schlagworte Zensur

Date: 01. Februar 2008
Cate: Text

Ursula von der Leyen verteidigt christlich-abendländische Werte im Kinderzimmer

Da gibt es endlich mal ein religionskritisches Kinderbuch und dann ereilt es gleich ein Indizierungsantrag seitens des Bundesfamilienministeriums. Die Begründung ist hanebüchen. Eine Presseschau hat der SkepTicker zusammengestellt.

Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine FerkelWo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel
Ein Buch für alle, die sich nichts vormachen lassen
Michael Schmidt-Salomon / Helge Nyncke
Gebunden – 44 Seiten – Alibri Verlag – 10/2007
ISBN-13: 978-3865690302 – 12 Euro

Website zum Buch mit mehr Informationen und zum Stand der Diskussion: ferkelbuch.de

Ob dieses Kinderbuch seinen Zweck im Sinne einer Aufklärung über Religionen erfüllt, bezweifle ich. Dennoch wird auch Europa, in diesem Fall die deutsche Öffentlichkeit nicht umhin kommen, darüber nachzudenken, ob nicht auch hier in Deutschland/Europa Religion wieder mehr das öffentliche Leben zum Nachteil bestimmt. Es schadet auch nicht sich die Frage zu stellen, ob der pauschal den Muslimen vorgeworfene Fundamentalismus nicht auch den anderen monotheistischen Religionen zu eigen ist und dadurch unnötiges Leid hervorgerufen wird. Vor allem liessen und lassen sich unter religiösen Deckmäntelchen so viele Völkerrechts- und Menschenrechtsverletzungen begehen, die eigentlich völlig anderen Ursprungs sind – nämlich macht- und wirtschaftspolitischer Art und von einem Herr/Knecht-Menschenbild ausgehen. Da nützt auch das Pochen auf scheinbare religiöse Werte nicht, wenn dieses die Menschheit teilende Menschenbild sich auch mit mittlerweile immer weniger intellektueller Mühe entdecken lässt. Doch noch verwechselt man lieber weiterhin Ursachen und Wirkungen innerhalb der Kulturen, egal welcher nun, anstatt die Religionen zur wirklichen Privatsache zu erklären und sich auf die Menschenrechte zu berufen. Denn Menschen sind alle Menschen! Und das ist nun mal wahr! Alles andere lässt sich anzweifeln.

Date: 31. Dezember 2007
Cate: Text

Rudeljournalismus als Schock-Strategie

Dass Unsinn in den Medien verbreitet wird, ist nichts Neues. Neu ist, dass der Unsinn wechselseitig nicht mehr bestritten wird, dass wir es also nicht mehr mit publizistischen Konflikten über die richtige Darstellung von Vorgängen zu tun haben. Im Gegenteil: Ein wahrhaft postmoderner Rudeljournalismus jagt gemeinsam dieselben Säue durchs Dorf, und die verschiedenen Formate zwischen Boulevard und Qualität bekunden zunehmend Mühe, sich noch zu unterscheiden. Die strikte Marktorientierung der Medien, die Unsicherheit im ganzen Mediengewerbe über die künftigen Finanzierungsmodelle, die suizidale Selbstkonkurrenzierung durch Gratisangebote und die Verknappung der Redaktionsbudgets führen zu dem, was wir haben: einem kapitalen Marktversagen. Wir lesen, schauen und hören nicht nur überall dieselben Geschichten, sondern diese sind auch gemäss derselben Masche gestrickt. Und weil sich moralische Empörung so wunderbar verkauft, erleben wir gut 200 Jahre nach der Aufklärung wieder Hexenjagden.
Quelle: NZZ, Medienpopulismus schadet der Aufklärung, 08.12.2007

Den Artikel habe ich via tagblatt – Alles nur Medienhypes? entdeckt und stelle mal wieder fest, dass sich mit Ängsten ordentlich Quote und Kohle machen lässt. Denn wer verdient an der Terrorhysterie – andere nennen es Hype?

Nebenbei entwickelte sich seit einigen [wie viele schon?] Jahren eine wirtschaftsbedingte Zensur, die effizienter und effektiver ist als eine staatliche Zensur je sein könnte. Wenn beide sich vermählen, dann freut sich das Gros der Menscheit nicht über diese abendländisch-christlichen Hinterlassenschaften. Nicht nur in Deutschland oder in der Schweiz hat sich die Pressefreiheit in den Massenmedien wie ehemals Barbarossa [Vergleich holpert ;) ] schlafen gelegt und wartet auf meinungsfreiere Zeiten und auf eine erneute Aufklärung samt real existierender Demokratie. Journalisten, das wäre doch mal ein Vorsatz für 2008 die innere Schere rücksichtslos wegzuwerfen und der wirtschaftsbedingten Zensur eine lange Nase zu zeigen?

Nun hatte die Menschheit schon den real existierenden Sozialismus [Wiederholung hoffentlich ausgeschlossen], den real existierenden Kapitalismus samt Turbo-Kapitalismmus und den dazu passenden Heuschrecken durchlebt sie gerade mit allen damit verbundenen und geschürten Ängsten. Wir werden zu alt? Wir sterben aus? Klimawandel, Terror, Weltwirtschaftskrise usw. Die Welt geht unter! Ich bin beeindruckt, welche Schockstrategien hier geboten werden, aber reicht es aus, um Macht über die meisten Menschen weiterhin zu erhalten? Was bieten uns die Terrorpeuten 2008 und danach? Da ist es mir jetzt egal, aus welcher [angeblich religiösen] Ecke die Terrorpeuten-Fundis kommen. Sie missbrauchen ihre Kultur, ihr Wissen und ihre Macht – egal welcher Art, um politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Ziele zu erreichen, die einfach nur menschen- und insgesamt lebewesenverachtend sind, wenn mensch sich die Mühe macht zu hinterfragen. Und das nicht nur im Islam, sondern auch im Westen. Der goldene Westen hat ordentlichen Rost angesetzt in der letzten Jahren.

Deshalb meine Bitte: Alle, die sich der abendländisch-christlichen Kultur zuordnen, sollten übrigens zwei Dinge tun:

  • Geschichtskenntnisse auffrischen und hierbei sich auch mal mit der Geschichte von unten befassen, denn nicht alles ist Gold, was in der Geschichte glänzt.
  • Darüber nachdenken und mehr vor der eigenen [Kultur]Haustür kehren, bevor sie mit dem Finger auf andere zeigen.

Ansonsten wünsche ich allen einen guten Rutsch ins 2008 und hoffe wie etwa 29.999 andere, dass die Verfassungsbeschwerde gegen die umstrittene Vorratsdatenspeicherung erfolgreich ist. Denn andernfalls beerdigen wir Ende 2008 nicht nur wie heute die Privatsphäre dank Vorratsdatenspeicherung, sondern Grund- und Bürgerrechte, die erst eine Demokratie ermöglichen. Menschenrechtscharta und Völkerrecht könnten auch wieder steigende Kurse vertragen. Aber die stehen ja dem real existierenden Kapitalismus im Weg und wer steht dem im Weg?

Und genau das ist der Knackpunkt in der Gegenwartsgeschichte. Es ist schon ein Elend, wenn mensch Opfer und Täter ist und sich eine Zukunft erschaffen will, die nicht voll Rankism ist. Das erschüttert und macht anfällig für Terrorpeuten jeglicher Coleur, wenn mensch nicht nachdenkt und hinterfragt. Es gibt kein einfaches Rezept für die Zukunft – gab es noch nie und Vorsätze sind Ende des Jahres gefasst auch vergeblich. Machen wir es lieber wie Lao Tse es uns rät: Jede große Reise beginnt mit einem ersten Schritt. Adelante – damit sich das Klima wandelt ;)