Schlagwort Tittytainment

Sammelsurium zwischen 2. September 2009 und 6. September 2009

  • 69th Bomb Squadron reactivates at Minot AFB – Das ist sehr beunruhigend.
  • Süchtig nach Alpträumen « Geheimrätin’s Blog – Angst essen Seele auf und machen willig
  • ad sinistram: Den Tätern auf der Spur – Diese Dokusoaps und Serien sind das Allerletzte. Einfach asozial in ihrem Weltbild.
  • Telepolis pnews: CDU von Grauen Wölfen unterwandert?
  • Lost Paradise – "Olga, eine junge Journalistin aus Kiew, erinnert sich an eine paradiesische Kindheit: sie lebte in Pripyat, einer jungen Stadt voller Kinder, Pilze und Blumen. Der einzige Haken: Pripyat liegt direkt neben dem Reaktor von Tschernobyl. Mit acht Jahren wurden Olga und ihre Familie evakuiert. 22 Jahre später kehrt sie gemeinsam mit ihrem brasilianischen Ehemann zurück an den Ort ihrer Kindheit, der heute eine Geisterstadt ist. Ein Film über den Verlust von Heimat, die zweite Generation nach Tschernobyl und die Frage, ob man Gänseblümchen heute wieder essen kann?"
  • Keine Kompromisse | RIB video – "»Jede Minute stirbt ein Mensch durch eine Waffe, in dieser Minute werden weltweit 15 neue Waffen gebaut.« Mit Waffen lässt sich eine Menge Geld verdienen. Mhh… eigentlich keine schlechte Idee. Schließlich ist die Rüstungsindustrie gerade auch in Deutschland eine expandierende Branche mit Zukunftssicherheit. Neben großen und bekannten Unternehmen wie DaimlerChrysler oder Thyssen Krupp verdienen über 1000 deutsche Unternehmen ihr Geld mit »wehrtechnischen« Produkten. Keine Kompromisse ist ein Film, der sich auf die Suche nach der ethischen Vertretbarkeit einer solchen Produktion begibt. Ist eine Waffenproduktion in Deutschland moralisch vertretbar, nur weil sie durch Gesetzesseite geduldet und damit politisch akzeptiert ist?"
  • Lesen Sie weiter »

Ein Gespenst geht durch Deutschland – genannt Unterschicht oder Prekariat

Was für ein Geschwätz! Da verbocken alle etablierten Parteien CDU-CSU-SPD-FDP-GRÜNE eine Politik der [Re]formen und wundern sich nach etwa einer knappen Generation darüber, dass das Ergebnis eben als Unterschicht oder Prekariat ins doch noch vorhandene kritische Auge der Öffentlichkeit gerät. Sowohl Unterschicht als auch Prekariat treffen zu, wobei im Prekariat eben auch gebildete Bürger zu finden sind, die durch ALG II ins Abseits geraten sind, zu alt oder dank sie ausbeutende Praktika überhaupt keine ädaquat bezahlte Arbeit erlangen. Unterschicht im engen Sinne ist also eine Untermenge des Prekariats. Deshalb könnte der Begriff Prekariat mehr politischen Sprengstoff besitzen denn Unterschicht, eben weil darunter Akademiker, Kleinunternehmer und Kreative fallen. Da wird es dann prekär für die Politik. Denn das sind Stimmen, die sich öffentlichen Raum verschaffen können und seit einiger Zeit wird dies auch spür- und hörbar.
Im Kulturblog habe ich des öfteren schon auf Pareto hingewiesen. Wer konsequent ist, der denkt über die paar Prozent Unterschicht oder Prekariat hinaus und kann sich eine nach dem Paretoprinzip gestaltete Gesellschaft vorstellen. So hatte Gorbatschow vor über 10 Jahren in San Francisco 500 führende Politiker, Wirtschaftsführer und Wissenschaftler aus aller Welt eingeladen und dabei kam heraus:

20 Prozent der arbeitsfähigen Bevökerung würden im kommenden Jahrhundert ausreichen, um die Weltwirtschaft in Schwung zu halten. [...] Ein Fünftel aller Arbeitssuchenden werde genügen, um alle Waren zu produzieren und die hochwertigen Dienstleistungen zu erbringen, die sich die Weltgesellschaft leisten könne. Diese 20 Prozent werden damit aktiv am Leben, Verdienen und Konsumieren teilnehmen – egal, in welchem Land. Das eine oder andere Prozent, so räumen die diskutanten ein, mag noch hinzukommen, etwa durch wohlhabende Erben. [...] In Fairmont wird eine neue Gesellschaftsordnung skizziert: reiche Länder ohne nennenswerten Mittelstand – und niemand widerspricht.
Vielmehr macht der Ausdruck tittytainment Karriere, den der alte Haudegen Zbigniew Brzezinski ins Spiel bringt. [...] Mit einer Mischung aus betäubender Unterhaltung und ausreichender Ernährung könne die frustrierte Bevölkerung der Welt schon bei Laune gehalten werden.
Nüchtern diskutieren die Manager die möglichen Dosierungen, überlegen, wie denn das wohlhabende Fünfte den überflüssigen Rest beschäftigen könne. Soziales Engaement der Unternehmen sei beim globalen Wettbewerbsdruck unzumutbar, um die Arbeitslosen müßten sich andere kümmern. Sinnstiftung und Integration erwarten sich sich die Diskutanten vom weiten Feld der freiwilligen Gemeinschaftsdienste, bei der Nachbarschaftshilfe, im Sportbetrieb oder in Vereinen aller Art. [...] Jedenfalls werden in den Industrieländern schon bald wieder Menschen fast zum Nulltarif die Straßen sauberhalten oder als Haushaltshilfen kärglichen Unterschlupf finden, erwarten die Konzernlenker.
Quelle: S.12f., Hans-Peter Martin, Harald Schumann, Die Globalisierungsfalle, Rowohlt Verlag, 1996

Mehr darüber habe ich in Tittytainment, nein danke! geschrieben.
20 Prozent reichen aus. Ja, was macht Politik als Handlanger der Konzernwirtschaft mit den restlichen 80 Prozent? Wir reden hier von einigen Milliarden Menschen. Das nur mal zur Erinnerung. Das sind also keine paar Millionen wie in Deutschland aktuell, sondern ein zigfaches davon! Das ist kein Pipifax. Aber Pareto auf dieses Zukunftszenario angewendet bedeutet auch, dass zunächst 80 Prozent das Wohlergehen der 20 Prozent finanzieren – auf welche Art auch immer und mit welchen negativen Folgen auch immer. Und in diesem Stadium befinden wir uns vermutlich. Denn auch die in Deutschland umgesetzten [Re]formen nutzen eher 20 Prozent denn der Mehrheit. Die Debatte um Unterschicht und/oder Prekariat macht dies gerade deutlich und Menschen erkennen immer deutlicher, dass die Strategie des Kopf-in-den-Sand-steckens hier nicht zielführend ist.

In Zeiten, da Täuschung und Lüge allgegenwärtig sind, ist das Aussprechen der Wahrheit ein revolutionärer Akt.
George Orwell

Wenn mensch dann von dieser Pareto-Tittytainment-Warte mal die ganzen [Re]formen betrachtet, Terrorismushype, Kontroll- und Überwachungswahn gegenüber angeblichen Sozialstaatbetrügern einbezieht, die Forderung nach Bundeswehr im Innern noch bedenkt und zusätzlich die Kriege, Konflikte und Krisen samt der einhergehenden Aufrüstung, Militarisierung und der teilweisen Privatisierung der staatlichen Gewalthoheit nicht außer Acht lässt, dann schwant einem Böses.

Ich fürchte mich nicht vor der Rückkehr des Faschisten in der Maske des Faschisten, sondern vor dessen Rückkehr in der Maske des Demokraten.
Theodor W. Adorno

Wer eine Neigung zu perversen Fantasien hat, sich an Malthus erinnert, an die Horrorszenarien des Club of Rome wie Überbevölkerung und dazu noch die wieder aufgeflammte von Politikern jeglicher Coleur instrumentalisierte Religiösität hinzufügt, der hat das Gefühl eine Trashinszenierung zu erleben.

Doch Augustinus sagte:

Die Hoffnung hat zwei schöne Töchter. Sie heißen Wut und Mut. Wut darüber, dass die Dinge so sind, wie wir sie sehen. Mut, um sie so umzugestalten, wie sie sein sollten.

und Gandhi wies den Weg.

Es gibt keinen Weg zum Frieden. – Der Friede ist der Weg.