Schlagworte Coaching

Date: 25. März 2008
Cate: Code

Schnelles Internet für alle statt Abzocke für DSL-Diaspora

Ich bin in der FR online über einen Artikel und einen Kommentar gestolpert, die sich mit der Breitbandversorgung in Deutschland auseinandersetzen.

Seit Jahren wird hierzulande über die Breitband-Schere zwischen Stadt und Land diskutiert. Dennoch haben fünf bis sechs Millionen Bürger keinen Zugang zum schnellen Internet, wie die Bundesregierung kürzlich in der Antwort auf eine Anfrage der Partei Die Linke bestätigte.
Quelle: FR, Schnelles Internet für alle, 24.03.2008

In dem Kommentar Naive Telekom-Privatisierung stellt Wenzel durchaus richtig fest:

Die Telekom hat ihr Netz nach betriebswirtschaftlichen Kriterien ausgebaut. Wo die Wege kurz sind, wo viele Anschlüsse an einem Netz-Knoten hängen, wird viel getan. Investitionen machen sich schnell bezahlt.

Sowohl im Artikel wie auch im Kommentar wird nicht auf die Tatsache hingewiesen, dass die so genannten zwangsläufigen Schmalbandnutzer bei einem ISDN-Anschluss mit Internetflatrate mindestens 100 Euro bezahlen. Ein DSL-Anschluß mit Flatrate bei Internet und Telefon ist ab 20 Euro erhältlich. Ein interessantes Gefälle!

Fazit: Betroffene ärgern sich nicht nur über langsame Verbindungen, sondern bezahlen für ihren Ärger noch das Fünffache, wenn sie Pech haben.
Galgenhumorig betrachtet hat der Nichtausbau auf dem Lande seine Vorteile für die Anbieter. Selten wird mit so wenig Leistung so viel verdient. Auch das ist eine Begleiterscheinung naiver Privatisierung wichtiger Infrastruktur, egal ob es sich um Kommunikation, Wasser, Müll, Energie oder öffentlicher Verkehr siehe etwa Bahn handelt.

Date: 15. Februar 2008
Cate: Code

Studie über Google Analytics und Co als Big Brother im Dienst

Eine sehr interessante Studie, die die Xamit Bewertungsgesellschaft mbH veröffentlicht hat. Sie können Wissen Sie, was Sie tun? – Wissen Sie, wer es noch weiß? – Surfen im Internet von Dr. Niels Lepperhoff, Björn Petersdorf als PDF-Datei herunterladen.

Ich zitiere einige Punkte der Studie, die sich vor allem auf Google Analytics bezieht, aber die Kritikpunkte lassen sich auch auf andere Anbieter übertragen. Die Tools von Google oder ähnliche von anderen Anbietern empfehle ich grundsätzlich aus Gründen des Datenschutzes und der Achtung vor der Privatsphäre der Besucher nicht und nutze sie selbst nicht. Es gibt auch andere Methoden Interessierte auf seine Website aufmerksam zu machen, ohne Datenkraken zuzuarbeiten.

Google Analytics ist für Betreiber mit bis zu 5 Mio. Seitenaufrufen pro Monat oder bei einem nach Google-Ermessen adäquaten Werbeumsatz durch Google Adwords (Textanzeigen neben Suchergebnissen und auf Webseiten) kostenlos. Sie „bezahlen“ indirekt mit den Bewegungsprofilen ihrer Besucher. S. 8f.

Google verlangt von den Betreibern, dass sie darauf hinweisen. Aber nach der Untersuchung Xamit geschieht dies selten. Das ist mir persönlich auch schon negativ aufgefallen und finde dies als intransparent und respektlos gegenüber den Websitebesuchern.

Laut DENIC sind unter „.de“ mehr als 11 Mio. Domains registriert. Bei einem Marktanteil von 7% nutzen rechnerisch 770.000 Webpräsenzen Google Analytics, sofern man Mehrfachregistrierungen einer Webpräsenz unter verschiedenen Domains außen vor lässt. Auf Basis unserer Ergebnisse verheimlichen 762.000 Webpräsenzen die Überwachung durch Google Analytics. Sie befinden sich dabei in prominenter staatlicher Gesellschaft. S. 9

Auf der folgenden Seite zählt dann Xamit zahlreiche Ministerien auf, die sich dieser Tools bedienen und wie teilweise deren Datenschutzhinweise dieses verschleiern.
Xamit kritisiert:

Gerade im Hinblick auf die Bestrebungen, Verwaltungsvorgänge durch die Internet-Nutzung zu vereinfachen („eGovernment“), zeugt eine Besucherbeobachtung mit Google Analytics und ähnlichen Diensten von fehlender Sensibilität. Bürger benutzen die Webseiten für Verwaltungsvorgänge, die niemanden etwas angehen. Trotzdem schauen Statistikersteller wie Google über die Schulter. Der Staat trägt so aktiv zum gläsernen Surfer bei und gibt gleichzeitig (ausländischen) Unternehmen Einblick in sein eigenes Verwaltungshandeln. S. 11

Es wird immer wieder darauf hingewiesen, dass das Internet demokratisch sei. Dem ist nur bedingt so, wenn mensch diese Möglichkeiten der Besucherbeobachtung und deren Analyse kritisch hinterfragt und gleichzeitig die zweifelhafte wirtschaftliche und politische Datensammelwut und deren Folgen betrachtet. Was wäre, wenn diese unendlichen Daten in einer Datenbank vereinigt würden? Immerhin wird ein zentrales Melderegister in Deutschland geplant, deren politischen, besser technokratischen Vorteile zum Nachteil der Bürger gereichen und es steht historisch belegt fest:
Zentralisierungen beinhalten einen immensen Machtfaktor, der geradezu zum Missbrauch einlädt.

Wären wir, Sie und ich etwa, dann sicher vor Irrtümern und falschen Folgerungen – egal von welcher Seite – aus diesen gesammelten Daten?
Und stellen wir auch die Frage: Wer verdient an dieser Datensammelwut, die unsere Privatsphäre und auch unsere demokratischen Mechanismen weltweit bedroht? Und zwar nicht nur durch die Sammlung dieser Daten, sondern auch in der Abwehr der möglichen Fehlleistungen aus derselben. Droht uns eine Diktatur der [zweifelhaften] Daten?