Wenn Geld nicht schaden soll – ethisches Investment

Schmetterling

Schmetterling

In einem Netzwerk kam diese Woche die Diskussion auf, wie mensch vorsorgen kann, ohne sich zwischen Pest und Cholera entscheiden zu müssen. Zumeist wissen wir nicht, was Banken und Versicherungen mit unserem Geld machen. Sie versprechen ihren Anlegern maximale Rendite, um diese im Kleingedruckten auszuschließen. D.h. im Falle einer Rezession, und die scheinen immer öfters vorzukommen, gibt es unter Umständen wenig oder nichts. Auch Versicherungen oder Fonds haben einen gewissen Aktienanteil, der dann in den Keller gehen kann und die zu Beginn des Abschlusses gemachten Versprechungen eines sorgenfreien Alters ad absurdum führt.

Viel wichtiger als die Frage, ob sich private Vorsorge rentiere, finde ich die Frage: Was geschieht mit dem eingezahlten Geld? Denn hier wird man meistens im Dunkeln gelassen. Was machen Banken, Versicherungen, Fonds und auch staatliche Stellen mit den ihnen anvertrauten Geldern? Wohin fließen diese? Denn Omas Sparstrumpf ist in diesen Unternehmen und Institutionen wohl kaum anzutreffen.

Es könnte also durchaus sein, dass selbst Menschen, die Kriege und Umweltzerstörung verabscheuen, bei ihrer Privatvorsorge und -absicherung diese indirekt finanzieren. Denn Versicherungen, Fonds und Banken streuen ihre Gelder, die eigentlich den Privatvorsorgenden gehören, aber eben genau das bedeutet, dass mensch in unethische Anlagen investieren kann, ohne es zu wissen. Um ein paar Ecken vielleicht in Blutdiamanten, in Waffenhandel, Überwachungssysteme etc. Da kann man sich die gräßlichsten Sachen vorstellen, denn es gilt: Pecunia non olet. Es stinkt nicht und man sieht Geld auch nicht das Blut an, das an ihm klebt. Das ist jetzt mal meinerseits krass ausgedrückt.

Diese Schattenseiten gilt es bei Vorsorge, egal welcher Art, ob privat, also auch bei Rürup- und Riesterrenten, oder staatlicherseits hervorzuholen und auch nachzuhaken. Hierfür braucht der einzelne Mensch Zeit und vor allem Informationen, wie er ethisch investieren kann. Ob man sich hierbei auf seinen Hausbankberater verlassen sollte, das bezweifle ich. Und es gibt auch noch zu wenige andere Berater, die ihren Fokus im ethischen Investment haben. Das Argument der Berater: Der Kunde will maximale Rendite, da bleibt ethisches Investment auf der Strecke. Meiner Meinung nach eher ein Scheinargument. Das wirkliche Argument dürfte sein, dass die Beraterprovision zwangsläufig niedriger ist, da ethisches Investment nachhaltig angelegt ist und wirkliches ethisches Investment seinen Fokus zuerst auf ethischen Kriterien legt und dann auf Rendite. Dementsprechend fällt auch die Provision der Berater bzw. Vermittler geringer aus.

Es ist die Entscheidung jedes einzelnen Menschen, wie er sein Geld ausgibt und anlegt. Wenn er/sie es bewusst ausgeben und anlegen will, dann bleibt ihm/ihr nichts anderes übrig, als sich zu informieren und sich zu entscheiden. Deshalb stelle ich mal einige Links zur weiteren Information zusammen und wünsche eine gute Entscheidung. Ein guter Einstieg hier ist der Wikipedia-Artikel über ethisches Investment.

Die drei bekanntesten Banken in Deutschland, die ihren Fokus auf ethisches Investment haben:
Die sozial-ökologische GLS Bank bezeichnet sich als transparent und finanziert ausschließlich soziale, ökologische und kulturell zukunftsweisende Unternehmen.
Die UmweltBank verbindet nach eigener Aussage erfolgreiches und professionelles Bankmanagement mit ökologischer und sozialer Verantwortung.
Die EthikBank ist eine Direktbank für ethische und ökologische Bankprodukte, die das Geld ihrer Kunden nur für Mensch und Natur investiert.

Bei allen Investments etwa in Aktien oder bei Fonds empfehle ich bei der Entscheidung das Schwarzbuch Markenfirmen & Suchmaschine parat zu haben, um das Sündenregister recherchieren zu können. Das Schwarzbuch Markenfirmen gibt es in Auszügen im Netz und ist schon in dieser Form hilfreich. Ebenfalls helfen Wikipedia-Artikel zu den einzelnen Firmen. Hier sollte man auch mal einen Blick auf die Diskussionsseite des Artikels werfen. Denn Lobbyisten und PR haben Wikipedia schon längst als Manipulationsinstrument entdeckt und manchmal gelingt ihnen das Schönschreiben auch, wenn auch oft nur für kurze Zeit. Daneben lohnt sich immer ein Blick zu Attac und Greenpeace oder wegen der Menschenrechte amnesty international und Arbeitsrechten zu LabourNet.

Hilfreich sind auch folgende Seiten bei der Recherche, wenn Geld möglichst wenig Schaden anrichten soll. Denn Geld ist durchaus eine nützliche Erfindung der Menschheit, wenn man bewusst damit umgeht und eben das tun wir Menschen immer noch zu wenig. Ich nehme mich da nicht aus.
Südwind Institut informiert auch über sozial verantwortliche Geldanlagen. Das Südwind Institut bietet auf seiner Website Studien zu verschiedenen Aspekten rund um die Diskussion um sozialverantwortliche Geldanlagen, darunter zur Verantwortung von Banken für Entwicklung.

Independent consultant for Socially Responsible Investing: The European Ethibel quality label for socially responsible and ethical investments ist unter ethibel.org zu finden. Hier gibt es auch den The Ethibel Sustainability Index = a financial and a social profit.

oekom research AG ist eine der weltweit führenden Rating-Agenturen im nachhaltigen Anlagesegment. Oekom Research verlinkt direkt auf den Global Challenges Index, den ich durch die Unternehmensübersicht persönlich ebenso mit einiger Skepsis betrachte wie die folgenden Indizes, die Anteile an ethischen Investments haben, aber nicht ganz ohne Makel sind und die man zuvor überprüfen sollte, ob sie einem genehm sind:
Naturaktienindex (NAI) umfasst 30 internationale Unternehmen. Der seit 1997 bestehende Index gilt als Orientierung für „grüne Geldanlage“ und man findet ihn unter nai-index.de
Dow Jones Sustainability Group Index (DJSGI), auch Dow Jones Sustainability Indexes (DJSI) sind Aktienindizes, deren Unternehmen nach den Prinzipien der Nachhaltigkeit (Sustainability) wirtschaften. Website: sustainability-index.com
Der ecom.25Index ist ein 25 Fonds umfassender Index für Umweltfonds und nachhaltig ausgerichtete Fonds und bei Nutzfaktor zu finden.

ProSolidar ist der einzige Fonds, der in direkter Weise ökologie- und sozialpolitische Arbeit fördert. Die Einlagen in dem Fonds sind über den Sicherungsfonds der Raiffeisen- und Volksbanken abgesichert.

Nutzfaktor ist ein Portal für nachhaltigen Konsum. Auch bei UmweltDialog, das Nachhaltigkeitsmagazin, gibt es nützliche Infos, obwohl ich persönlich diese Seite eher für eine Lobbyseite halte.

Bei Xing gibt es ein Forum Sustainable Management, wo etwa hier in diesem Beitrag deutlich wird, dass ethisches Investment ein sehr dehnbarer Begriff ist und wohl alles nichts hilft, außer der Feststellung, dass man viel lesen und sich informieren muss, um seine Entscheidung zu treffen. Bekanntestes Beispiel, finde ich, sind Baumfonds, die eigentlich nur Plantagen sind, für die zuvor Regenwald abgeholzt wurde, siehe Urgewald. Das Talent “zwischen-den-Zeilen-lesen-können” dürfte hilfreich sein.

Meine Auflistung ist zwangsläufig unvollständig, bietet aber dennoch, so hoffe ich, einen ersten Überblick, wenn mensch sich entschieden hat, dass sein Geld nicht schaden soll, sondern für eine bessere Welt für die Menschheit arbeiten soll. Übrigens Geld arbeitet nicht. Es sind immer noch Menschen, die arbeiten. Diese Tatsache wird gern vergessen.

Noch so ein paar Ideen und Tipps:
Sein Geld möglichst nur bei Firmen lassen, wo mensch sich mit wohlfühlt. Beim Kauf einfach mehr regionale Produkte bevorzugen. Das wäre eine Form der ethisch motivierten Glokalisierung.

Edelmetalle sind No Go. Denn die Gewinnung, etwa bei Gold, ist mit Vergiftung und Umweltzerstörung und häufig auch mit Konflikten oder gar Kriegen verbunden. Ich weiß, das ist eine schlechte Nachricht für alle, die Schmuck oder Barren lieben. Das gilt übrigens auch für viele anderen Metalle, die wie etwa Coltan in der Industrie gebraucht werden. Bei Futurezone gibt es einen interessanten Artikel dazu: Am Handy klebt Blut.

Die Hausbank gezielt mit Nachfragen zu ethischem Investment nerven und ihre Vorschläge auf Herz und Nieren prüfen. Es ist sicher interessant, wie manche Berater ethisches Investment interpretieren und es dürfte durchaus vergnüglich sein, ihnen die Schwachpunkte aufzuzeigen. ;-)

Denn im Gegensatz zur landläufigen Meinung, dass jeder Mensch selbst entscheiden könne, was er mit seinem Geld mache, ist mensch noch meilenweit davon entfernt. Denn sonst könnte er ja etwa auch entscheiden, was mit seinen gezahlten Steuern konkret passierte. Denn dann könnte ich persönlich mir etwa vorstellen, dass meine täglich gezahlten Steuern (Mehrwertsteuer, Benzinsteuer etc.) keine Rüstung, keine Lobbypolitik und destruktive Forschung finanzierten, sondern bei den Kindern, in der Bildung und im sozialen Bereich landen würden. Das wäre für mich das wahre Steuerparadies. :-)

Spread the Word
  • Digg
  • StumbleUpon
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Twitter
  • Google Bookmarks
  • email
  • Identi.ca
  • LinkedIn
  • Posterous
  • Technorati
  • Tumblr
  • FriendFeed
  • MisterWong

Lesenswertes

  1. Die Kreditkrise trifft amerikanische Schulen oder was macht Ihr Geld gerade? Interessanter Artikel über die us-amerikanische Finanzkrise. Wir sind eine kleine Schulgemeinde, sagt Wilson, und wir haben nicht die Zeit und die Leute für eine professionelle...
  2. Unverschämt geklüngelt hat die Gütersloher SPD im NRW-Wahlkampf Nachdem ich diesen Artikel Die Sozis und das liebe Geld gelesen habe, bin ich reichlich sprachlos und finde es einfach unverschämt und geklüngelt. Wahlplakate sind...
  3. Wählst Du oder lässt Du es sein? Farliblogs Beitrag zum ersten politischen Blog-Karneval iat lesenswert. Denn er machte sich nicht nur Gedanken, sondern fragte die Menschen in der Eifel, ob sie wählen...
  4. Web-Autoren mit neuen Pflichten konfrontiert Mal eine vernünftige Kritik seitens der BITKOM: Der Verband kritisiert geplante Pflichtablieferungsverordnung In Deutschland sollen Web-Autoren in Zukunft dazu verpflichtet werden, regelmäßig elektronische Kopien ihrer...
  5. Gewissen billig verkauft – nicht nur beim Mindestlohn Aus einer E-mail, die ich erhielt: In einem Interview mit N24 sagte Herr Struck folgendes zu dem Abstimmungsverhalten der SPD: “Jeder weiß, man kann im...