Belletristische Notlage

Zweitbuch

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Ich lese, ich schreibe, ich lese, ich schreibe. Aber es ist kein Roman. Ich bin umgeben von Bergen Fachliteratur. Leicht übertrieben, aber den Kern trifft‘s. Deshalb auch der Titel Belletristische Notlage und an dieser wird sich die nächsten hundert Tage kaum was ändern. Es sei denn, mir läuft der Roman über den Weg, ohne den ich verhungerte. Und wenn, dann wird es kaum ein deutscher Roman sein.
Deutschland ist jenseits der Klassiker romanlos geworden.

Kein einziger deutscher Roman der letzten zwanzig Jahre verführte mich zum erneuten Lesen. Keine tiefe Erotik der aneinandergereihten Sätze, die zum Selberdenken lockte. Die Romane der letzten Jahre kommen mir vor wie Fastfood. Lesen, zwar satt hinterher, aber kein Tanz der Sinne trotz verheißungsvoller Titel und Klappentexte. Die Romane waren eher wie bröckelndes Makeup am nächsten Morgen. Entsetzen über das, womit man seine Nacht verbracht hatte. Der Nachgeschmack vergrault die letzten hoffnungsvollen Gedanken, es könnte doch den Roman geben, der wieder selberdenkende Leser hinterlässt anstatt resignierende.

Woran liegt‘s? Sind den Romanciers die Buchstaben, die Sätze, die Geschichten abhanden gekommen? Wurde ihnen der Stoff geklaut, aus denen Romane gewoben werden? Was ist passiert?

Vielleicht ist es ganz einfach zu erklären: Aus ökonomischen Gründen werden gute Romane nicht mehr verlegt. Denn sie stehen den Zweit-, Dritt-, Viert- und Fünftbüchern im Weg, da ein guter Roman mehr als einmal gelesen wird.

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