Schriftsteller zwischen armen Poeten und Dichterfürsten
In der Frankfurter Rundschau weist Angie Reinhardt auf die beiden Extreme hin, zwischen denen Autoren sich im herkömmlichen Literaturbetrieb bewegen. Einerseits der arme Poet und andererseits der so genannte Dichterfürst. Die Ursachen lassen sich an Zahlen festmachen:
Ein literarischer Titel geht im Schnitt 5000 bis 10 000 Mal über den Ladentisch. Dieses Buch kostet als Hardcover-Ausgabe in der Buchhandlung etwa 20 Euro. Der Autor bekommt davon im Idealfall zehn Prozent. Er erhält also zwei Euro pro verkauftes Buch und kommt am Ende auf 10 000 bis 20 000 Euro Honorar. Von dieser Summe gehen dann noch Steuern ab und eventuell bereits geleistete Honorarvorschüsse.
FR, Wovon lebst du eigentlich?, 12.03.2008
Angesichts der Möglichkeiten wie Print on Demand und Internet frage ich mich, ob das traditionelle Verlegenlassen noch sinnig für Autoren ist. Wäre es nicht vernünftiger und auch zukunftsorientierter sich an den Musikern ein Beispiel zu nehmen, die sich seit einigen Jahren von der Musikindustrie emanzipieren?
Immerhin weist der Artikel darauf hin, dass Autoren den Großteil ihrer Einnahmen nicht durch das Schreiben selbst erlangen, sondern durch das Drumherum. Eigentlich müssen Autoren nur noch vermehrt weitergehen auf dem Weg und die technologischen Chancen zu ihren Gunsten nutzen. Stellt sich die Frage: Warum tun sie es nicht?

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Was die Rundschau beschrieben hat ist aber eine fast schon paradiesische Situation. Ich erinnere mich an mein erstes veröffentlichtes Buch – ein populärwissenschaftliches Sachbuch, das in einem großen Verlag erschien. Als Taschenbuch für knapp DM 15 Ladenpreis. Vorschuss für mich DM 4000. Honorar 5%, gestaffelt bis 12% ab einer Auflage jenseits der 50.000. Mündlich garantierte Mindestauflage war 10.000. Tatsächlich verkauft wurden 2700, der Verlag wurde geschluckt, das Programm geändert, und ich musste noch darum kämpfen, die Rechte an meinem eigenen Buch wiederzubekommen. So oder so ähnlich waren alle meine Erfahrungen mit Verlagen, egal ob groß, mittel oder klein.
Weshalb man es dennoch macht? POD/BOD ist aus Sicht der “Szene” identisch mit Zuschussverlagen. Eigenfinanzierte Veröffentlichungen. Ohne Veröffentlichungen bleiben die Türen “der Szene” fest verschlossen. Es gbt keine Fördermittel, viele Wettbewerbe nehmen POD Veröffentlichungen erst gar nicht an (bzw. ein Beitrag muß von einem “etablierten” Verlag eingereicht werden), ja man kann nicht einmal Mitglied im Verband Deutscher Schriftsteller werden. Daß die Verlagszene inzwischen kein Hort schöngeistiger Künste und Wissenschaften mehr ist geht dabei unter.
Ein anderer Grund ist rechtliche Absicherung. Meine Erfahrung mit dem “Buch der Macht” und dem Konflikt mit Lucasfilm war schmerzhaft. Schreiben ist nur frei, wenn man diese Freiheit auch verteidigen kann. Und das ist schwierig, wenn man weder einen Verlag hat, der einem beisteht, noch einen Verband, der einen gegebenenfalls unterstützt. DAS sind die Gründe, weshalb BOD/POD bisher noch kein 100%iger Ersatz sind für das klassische Verlagswesen. Aber – zugleich müßte mir ein Verlag ein sehr gutes Angebot machen, wenn er meine BODs übernehmen wollte – ich verdiene damit nämlich weit mehr, als mir bisher je ein Verlag geboten hat.