Vorrang für die Anständigen – Gegen Missbrauch, “Abzocke” und Selbstbedienung im Standort Deutschland
In einem Kommentar im hartz.blogg.de habe ich einen Artikel der Frankfurter Neuen Presse vom 22.10.2005 entdeckt, der Vorwürfe und Zahlen über Schäden der Volkswirtschaft in ein rechtes Licht rückt:
Frankfurt. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement schätzt, dass jeder zehnte Empfänger von Arbeitslosengeld II die Leistungen zu Unrecht bezieht. Den Sozialkassen könnte dadurch ein Schaden von bis zu drei Milliarden Euro pro Jahr entstehen. Doch die Volkswirtschaft muss viel schlimmeres verkraften. Auf bis zu 350 Milliarden Euro schätzen manche Wirtschaftsinstitute die Schäden, die durch Wirtschaftskriminalität entstehen – einschließlich Korruption, Steuerhinterziehung und organisierte Schwarzarbeit großer Firmen. Wolfgang Schaupensteiner, Oberstaatsanwalt mit Schwerpunkt Korruption in Frankfurt, sieht ein Missverhältnis zwischen der Aufmerksamkeit, die der Sozialmissbrauch erhält, und derjenigen, die der Kriminalität der Manager und Wirtschaftsführer zukommt.
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Polizeilich festgestellte Schäden der Wirtschaftskriminalität – ohne Korruption und ohne Steuerhinterziehung – beliefen sich 2004 auf 5,63 Milliarden Euro. Die Eigentumsdelikte insgesamt verursachten Schäden von 10,4 Milliarden.
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Polizeilich festgestellte Schäden müssten, so der Oberstaatsanwalt, unterschieden werden von den geschätzten Schäden. Nur rund fünf Prozent der Korruptionsfälle würden bekannt, entsprechend hoch sei die Dunkelziffer. Alleine die Korruptionsschäden bei öffentlichen Bauvorhaben schätzt Schaupensteiner auf zehn bis 15 Milliarden jährlich.
Quelle: via Kommentar im hartz.blogg.de FNP, Von großen & von kleinen Gaunern Kriminalität im Maßanzug, 22.10.05 [Hervorhebung von mir]
3 Milliarden zu 350 Milliarden
Das Verhältnis ist also umgerechnet etwa so, dass einem missbrauchten Euro der Sozialkassen knapp 117 Euro aus Wirtschaftskriminalität gegenüber stehen. Soviel rechnerische Kompetenz traue ich jedem Menschen ab einem gewissen Alter zu. Ich gehe auch davon aus, dass jedem mit einem gesunden Menschenverstand gesegneten Bürger bewusst ist, dass es wohl mehr Sinn macht, Wirtschaftskriminellen energisch nachzugehen und hier Kontrollmechanismen effizienter zu gestalten. Der angeblich vor der Insolvenz stehenden Bundesrepublik Deutschland täte es gut.
Es gibt da nur ein Problem: Wer klopft sich und seinen Freunden schon gerne selbst brutalstmöglichst auf die Finger?
Meine Oma wusste schon immer um die Wahrheit des Sprichwortes: Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen.
Es wird Zeit, dass dieses Sprichwort widerlegt wird.
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