Der Bock und der Gärtner
Berlin (pdh) Wolfgang Gehrcke, außenpolitischer Sprecher der Linkspartei.PDS, zur Verleihung des Heinrich-Albertz-Friedenspreises der AWO an Gerhard Schröder:
Heinrich Albertz, der erste Vorsitzende der Arbeitwohlfahrt, war als Person eine moralische Instanz in bewegten deutschen Zeiten. Einen Preis mit seinem Namen, der Personen ehren soll, “die sich um die Ausgestaltung der Grundwerte Solidarität, Toleranz, Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit, um den inneren und äußeren Frieden in besonderer Weise verdient gemacht haben”, an Bundeskanzler Gerhard Schröder zu verleihen, macht den Bock zum Gärtner.
Gerhard Schröder verantwortet, dass sich Deutschland an zwei völkerrechtswidrigen Kriegen beteiligt hat. Schröder verantwortet als Bundeskanzler, dass Deutschland mittlerweile auf Platz 4 der weltweiten Rüstungsexporteure aufgestiegen ist.
Mit der Agenda 2010 trägt Gerhard Schröder die Verantwortung für eine nachhaltige Störung des inneren Friedens. Ellenbogen und nicht Solidarität sind das Markenzeichen seiner Regierungspolitik.
Die Arbeiterwohlfahrt ist eine wichtige Organisation insbesondere für sozial Benachteiligte in diesem Lande und gerade für viele Opfer von Schröders Politik. Für eine Wahlkampfshow sollte sich die AWO zu schade und vor allem der Name und das Andenken von Pastor Heinrich Albertz zu wichtig sein.
Mein Kommentar zur Preisverleihung und einige Gedanken zu Preisen insgesamt:
Dass der Heinrich-Albertz-Friedenspreises der AWO an Gerhard Schröder verliehen wurde, passt durchaus in unsere asozialen wirtschaftlich orientierten Zeiten. Denn wo nur noch Kosten und Nutzen regieren, denkt man wohl, kann man sich erlauben, die Grundwerte neu zu interpretieren und den Bock zum Gärtner machen. Es ist nicht der erste Bock, der gerissen wird.
Im Übrigen ist der Heinrich-Albertz-Friedenspreis mit 5000 Euro dotiert. Sicher gibt es Tausende anderer Menschen, die sich um die Ausgestaltung der Grundwerte Solidarität, Toleranz, Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit, um den inneren und äußeren Frieden in besonderer Weise verdient machen. Das ärgert mich. Denn so wird der Preis wie viele andere Preise in seiner Absicht pervertiert. Hier scheint der Preisträger den Preis bekannt machen sollen und nicht das Verdienst um die Grundwerte gewürdigt werden. Nun denn, AWO. Es fördert nicht das Ansehen – es wirkt schal, so betrachtet.
Lesenswertes
- Rede von Bundeskanzler Gerhard Schröder vor dem World Economic Forum in Davos Die Rede von Bundeskanzler Gerhard Schröder vor dem World Economic Forum in Davos hat einige Highlights, die einfach Denkende erschrecken. So ist es für Gerhard...
- Deutsche Sozialdemokratie und Wirtschaftsliberalismus In dem Zeit-Fragen-Artikel Deutsche Sozialdemokratie und Wirtschaftsliberalismus analysiert Konrad Stopp den so genannten Dritten Weg von Schröder und Blair, der eigentlich nichts anderes ist als...
- Peter Oertzen über Gerhard Schröder Peter Oertzen trat nach 59 Jahren aus der SPD aus. Er galt als das soziale Gewissen der SPD. In einem Stern-Interview sagte er über Gerhard...
- Der Mythos Humankapital Kind und das vererbte Elend Heute Morgen erhielt ich einen Hinweis auf den Artikel Humankapital Kind, der sich inhaltlich mit einer Rede auseinander setzt, die Gerhard Schröder am 13.April 2005...
- Was ist Entlassungsproduktivität? Den Begriff benutzte Stephan Kaufmann in der Berliner Zeitung in dem Artikel Noch kein Ende der Auto-Krise am 23.02.2004: Darauf werden auch die Autokonzerne reagieren...














