10. Juli 2005
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Das Märchen vom Wachstum

Ein älterer, aber sehr aufschlußreicher Artikel der taz, der über die Unlogik unseres Wirtschafts- und Finanzsystems aufklärt:
Wachstum” tönt es täglich aus den Medien, wenn Lösungen zu Problemen wie zum Beispiel Arbeitslosigkeit und Armut diskutiert werden. Aber ist Wachstum überhaupt die Lösung? Was steckt eigentlich wirklich hinter diesem ständigen Zwang zum Wachstum, das angeblich dem Wohl der ganzen Welt dient, obwohl Mensch und Natur immer mehr darunter leiden? Warum bringt das Wachstum nicht mehr Arbeitsplätze, sondern immer mehr Arbeitslose, mehr Lebensangst? Warum nicht “blühende Landschaften”, sondern Naturzerstörung?
[...]
Um eine Lösung zu finden, müsste erst einmal der tote Winkel im Denken der Finanz- und Wirtschaftswissenschaftler und ihrer Gläubigen in Politik, Wirtschaft und Medien ausgeleuchtet werden. Dann würde nämlich sichtbar, dass – wie der Geld- und Zinsexperte Helmut Creutz das sieht – “die Wirtschaft gar nicht mehr so schnell wachsen kann, wie Vermögen und Zinszahlungen zunehmen. Deshalb bleibt nur, die Zinssätze und damit die Wachstumsraten der Geldvermögen und Schulden auf die Wachstumsraten der Wirtschaft abzusenken. Nur so könnte ein weiteres Auseinanderklaffen der Armut-Reichtum-Schere verhindert werden.” Das Erkennen und Korrigieren des Irrtums vom “Wachstum” ist bereits ein Wettlauf mit der Zeit.

Vielleicht sollte die Einsicht der zuständigen Wissenschaftler und Politiker eines Tages so weit reichen, dass sie dem Satz von J. F. Kennedy zustimmen: “Wenn eine Gesellschaft den vielen, die arm sind, nicht helfen kann, kann sie auch die wenigen nicht retten, die reich sind.”

Quelle: taz, Hans Olbrich, Thomas Seltmann Das Märchen vom Wachstum, 09.08.2004

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