Asiatischer Dämpfer für grüne Gentechnologen
Wegen Missernten wurde in Indien der Verkauf von genvernändertem Bt-Saatgut des US-Konzerns Monsanto verboten, das erst 2002 auf den Markt kam. 2004 kam es zu einer Missernte, von der 10.000 – 12.000 Familien betroffen waren.
Während der Konzern bis heute an der These festhält, es läge am falschen Umgang der Bauern mit dem Saatgut und mangelnder Bewässerung, erklärten die mitgliederstarken Bauernorganisationen das Saatgut des Konzerns dafür verantwortlich und machten Druck auf die Regierung ihres Bundesstaates. Ohne wütende Demonstrationen von Kleinbauern verging kaum eine Woche.
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Die Regierung in Andhra Pradesh hat Monsanto sogar aufgefordert, den Bauern 8,5 Millionen Euro als Entschädigung zu zahlen. Die Coalition in Defence of Diversity, ein Zusammenschluss von 140 Bauerngewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen in Andhra Pradesh mit einer grundsätzlich kritischen Haltung gegenüber der grünen Gentechnologie, zeigte sich erfreut über diese Regierungsbeschlüsse. In einer Langzeitstudie verweist der Zusammenschluss darauf, dass die BT-Bauern in den vergangenen drei Jahren im Schnitt sogar 60 Prozent weniger verdient haben als diejenigen, die auf das herkömmliche Saatgut gesetzt haben. Die Coalition in Defence of Diversity fordert die Bundesstaatsregierung nun auf, Andhra Pradesh so bald wie möglich zur ersten gentechnikfreien Zone in Asien zu machen.
Doch dafür stehen die Chancen schlecht, ebenso wie für angemessene Entschädigungszahlungen an die Kleinbauern. Monsanto sieht sich nicht in der Pflicht und verfolgt eine Politik, die sich seit dem Desaster von Bhophal 1984 ins kollektive Gedächtnis der Inder eingebrannt hat und Erinnerungen an die Kolonialzeit weckt: Trotz formaler Unabhängigkeit Indiens – das Leben seiner Bewohner ist weniger wert als die Gewinnmargen der ausländischen Investoren. Monsanto, weltweit Nummer Eins im Geschäft mit dem gentechnisch veränderten Saatgut, schert das nicht. Der US-Konzern hat bereits zwanzig indische Unternehmen als Lizenznehmer für seine BT-Baumwolle gefunden und zudem angekündigt, eine “BT-Baumwolle II” auf den Markt zu bringen.
Quelle: Telepolis, Gerhard Klas Asiatischer Dämpfer für grüne Gentechnologen, 10.07.2005
[Hervorhebungen von mir]
Missernten sind vermeidbar bei einer Vielfalt von heimischem Saatgut. Saatgut- und Pestizidkonzerne haben allerdings ein Problem mit der Saatgutvielfalt: Sie verdienen nichts daran.
Einheimischen Bauernfamilien rettet die Saatgutvielfalt aber Haus und Hof. Monokulturen und gentechnologisch veränderte Pflanzen sind unkalkulierbare Risiken – nicht nur für die Bauern, sondern auch für die Verbraucher.
Buchtipp:
Das biotechnische Zeitalter
Jeremy Rifkin
Broschiert – Goldmann – 2000
ISBN: 3442150906 – 8,95 Euro
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