Jeremy Rifkin: Die Globalisierung hat versagt
In dem Interview Langfristig wird die Arbeit verschwinden in der Stuttgarter Zeitung nennt Jeremy Rifkin die drei Pseudotheorien der europäischen Politiker – und nicht nur deren Theorien – beim Namen:
Erstens: Wir verlieren in unserem Land Jobs, weil die bösen Unternehmer Stellen ins Ausland verlagern. Zweitens: Wir haben genug Jobs, die Leute sind nur nicht richtig ausgebildet. Und drittens: Wir haben zu wenig Jobs, weil die Sozialabgaben zu teuer sind. Alle drei Argumente sind absurd.
Zur Globaliserung stellt er nüchtern fest:
Die Globalisierung hat versagt.
…
Weil sie zu viel Geld von unten nach oben verteilt hat. Die 356 reichsten Familien besitzen heute 40 Prozent des Reichtums der Menschheit. Diese Entwicklung führt uns in den Abgrund. Wenn die Unternehmen die Löhne immer weiter drücken, wird irgendwann niemand mehr ihre Produkte kaufen. Das ist so logisch, dass es eigentlich jeder verstehen müsste. Was wir brauchen, ist eine Reglobalisierung, bei der die Bedürfnisse der Mehrheit im Vordergrund stehen, nicht die Gewinnspannen einer kleinen Minderheit. Der technische Fortschritt lässt sich nicht aufhalten. Ich sehe zwei Alternativen für unsere Zukunft. Die eine ist eine Welt mit Massenarmut und Chaos. Die andere ist eine Gesellschaft, in der sich die von der Arbeit befreiten Menschen individuell entfalten können.
Das Ende der Arbeit kann für die Menschheit einen großen Sprung nach vorn bedeuten. Wir müssen ihn aber auch wagen.
Derzeit scheint die weltweite Politik und auch die Wirtschaft Variante 1 der Massenarmut und des Chaos zu bevorzugen. Das hat nicht viel mit den allseits gebrauchten Begriffen Demokratie und Freiheit, geschweige denn mit Solidarität und Menschenrechten zu tun.
Ganz im Gegenteil: Diktatur Weniger, Totalitarismus, Überwachung und Unfreiheit scheinen danach das Ziel zu sein. Oder wie soll diese Politik ansonsten interpretiert werden? Der Kaiser ist nackt. Das sehen mittlerweile Milliarden. Die wohl wichtigste Frage der Menschheit bewegt sie: Wie soll die Zukunft der Menschheit, der Erde aussehen? 1984 gewürzt mit Mad Max oder eher Garten Eden für alle?!?
Würde man eine weltweite Umfrage machen, bevorzugten Menschen weltweit eine friedliche Welt in Freiheit, Würde und Solidarität eines jeden Menschen, ob Mann, Frau oder Kind. Denn sie sind keine Narren des Kaisers mehr.
Der Klassiker Das Ende der Arbeit und ihre Zukunft erschien 1995 erstmals und ist lesenswert wie alle Rifkin-Bücher – provokativ, ehrlich und voll denkbarer Lösungsansätze.
Das Ende der Arbeit und ihre Zukunft
Jeremy Rifkin
Broschiert – Campus Verlag – aktualisierte Neuauflage 2004
ISBN: 3593374110 – 21,90 Euro
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