Biometriekritiker auf staatlichem IT-Sicherheitskongress unerwünscht – Vortrag deshalb im Netz
Laut Heise News ist der Dresdener Informatikprofessor Andreas Pfitzmann als Biometriekritiker auf staatlichem IT-Sicherheitskongress unerwünscht.
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) untersteht dem Innenministerium.
In seinem Vortrag wollte sich Pfitzmann mit den Möglichkeiten der Biometrie im Bereich der inneren Sicherheit allgemein sowie konkret mit den aktuellen umstrittenen Plänen der Bundesregierung zur Einführung biometrischer Merkmale in die Pässe und Personalausweise der Bundesbürger auseinandersetzen.
Zitat aus dem lesenswerten Vortrag Andreas Pfitzmanns:
Diese zu erwartenden Überraschungen aus dem Bereich Biometrie zusammen mit den vermutlich explosionsartig anwachsenden Genomdatenbanken und ihren Anwendungen werden die heute noch vorhandenen Freiräume der Unbeobachtbarkeit in der physischen Welt zunehmend verkleinern, wenn nicht gar auslöschen. Möglicherweise werden sich Menschen künftig in der physischen Welt nicht mehr bewegen können, ohne mit jedem einzelnen Schritt personenbezogen auswertbare Spuren zu hinterlassen.
In der digitalen Welt ist es bisher genau umgekehrt: Heute sind die Spielräume für Unbeobachtbarkeit dort sehr gering – auch wenn das unpersönliche Internet Unbeobachtbarkeit vorgaukelt. Die Forschung der letzten 24 Jahre hat zwar Verfahren hervorgebracht, die eine weitgehende Unbeobachtbarkeit in der digitalen Welt ermöglichen, die bisher aber nur sehr wenig eingesetzt werden. Sollen wir als Gesellschaft auf Räume des unbeobachtbaren Handelns künftig verzichten? Können wir das, ohne den Menschen als autonomes Wesen weitgehend auszulöschen? Oder könnte und sollte die digitale Welt künftig der Ort des weitgehend unbeobachtbaren Handelns werden? Gibt es dazu langfristig Alternativen?
Einen Vorteil hat die Absage, der Absagebrief samt Vortrag ist nun im Netz abrufbar, um breite Öffentlichkeit zu schaffen, und die einzige richtige Reaktion auf solch ein Verhalten, das nach Zensur mit Orwellscher Duftnote riecht.
Das Parlament 01/02 2004, 12.01.2004: Interview mit Andreas Pfitzmann
Die Wissenschaft stößt heute in gefährliche Dimensionen vor
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